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Low Temperature Cofired
Ceramics
für Sensor- und Hochfrequenzanwendungen |

Kundenspezifisch hergestellte LTCC-Substrate halten Einzug in vielfältige
Applikationen. Der vorliegende Beitrag zeigt die besonderen Vorzüge der „Low
Temperature Co-fired Ceramics“ (LTCC) und gibt einen Ausblick auf die weitere
Entwicklung dieser Technologie.
Die Trends zur Miniaturisierung, der Steigerung der Zuverlässigkeit und zum
Betrieb von Elektronik bei ho-hen Umgebungstemperaturen haben die Entwicklung
keramischer Substrate und Gehäuse vorangetrieben.
Neben anderen technischen Lösungen haben die LTCC ihre überlegene Eignung in
vielen Anwendungen unter Beweis gestellt. Darunter befinden sich
Hochtemperatur-Automobilanwendungen ebenso wie beson-ders zuverlässige
medizinische Applikationen und Hochfrequenzmodule zur drahtlosen Kommunikation.
Ein stark wachsendes Anwendungsfeld ist die Herstellung von Gehäusen für Micro
Electrical Mechanical Systems (MEMS).
Doch was genau sind LTCC und welche Eigenschaften dieses Substrates führen zu
seiner Beliebtheit? Bei der Beantwortung der ersten Frage hilft ein Blick ins
Internet auf die Seite von Wikipedia, der freien Enzyklopädie:
„Low Temperature Cofired Ceramics (LTCC), (dt.:
Niedertemperatur-Einbrand-Keramiken) ist eine Technologie zur Herstellung von
Mehrlagenschaltungen auf der Basis von gesinterten Keramikträgern. Es können
Leiterbahnen, Kondensatoren, Widerstände und Spulen erzeugt werden. Die Elemente
können durch Siebdruck oder photochemische Prozesse aufgebracht werden. Die
ungebrannten Keramikfolien werden einzeln strukturiert, danach gestapelt und
laminiert. Abschließend wird ein definiertes Sinterprofil mit einer
Spitzentemperatur von ca. 850 - 900 °C gefahren.“
Der Begriff „Cofired“ verweist darin auf das Verfahren, Leiterbahnen gemeinsam
mit der Glaskeramik zu brennen. Durch die moderaten Temperaturen beim Sintern
sind niederohmige Edelmetallpasten mit Gold und Silber einsetzbar. Im Gegensatz
dazu werden High Temperature Cofired Ceramics (HTCC) aus Aluminiumoxid
hergestellt und bei Temperaturen um 1600 °C gebrannt, so dass als Leitersysteme
nur hochschmelzende Werkstoffe wie Wolfram und Molybdän geeignet sind. Da ihre
Leitfähigkeit im Vergleich zu Silber oder Gold geringer ist, treten höhere
Verluste auf.
Durch die eigene Herstellung des keramischen Basismaterials für die
LTCC-Produktion, der „Green Sheets“, stellt KOA eine maximale Flexibilität
insbesondere in Bezug auf die mechanischen Eigenschaften des Substrates sicher.
Bild 1 zeigt die wesentlichen Prozessschritte der Herstellung von
LTCC-Substraten, ausgehend vom ungebrannten „Green Sheet“.
Bild 1: Querschnitt eines
LTCC-Substrates mit „vergrabenen“ passiven Bauelementen
Nach dem Zuschneiden der „Green Sheets“ werden zunächst die Löcher für die
Durchkontaktierungen (Vias) gestanzt. Auch die Öffnungen für Vertiefungen (Cavities)
werden zu diesem Zeitpunkt hergestellt.
Im nächsten Schritt erfolgt die Füllung der Vias mit leitfähiger (Silber-)
Paste. Die Paste wird durch eine Maske mit Bohrungen an den Positionen der Vias
eingebracht. Standard-Viadurchmesser sind 100, 150 und 200 μm. Anschliessend
werden die Leiterbahnen im Siebdruckverfahren aufgebracht. Die minimale Breite
und der minimale Abstand für die Leiterbahnen beträgt jeweils 60 μm.
Die bedruckten Schichten werden übereinander gestapelt, ausgerichtet und
anschließend in einem mit Wasser gefüllten Drucktank isostatisch laminiert.
Als letzter Prozessschritt erfolgt das Sintern bei Temperaturen von bis zu ca.
850 °C. Das gebrannte Material verliert ca. 15 % an Länge und Breite und ca. 20
% an Höhe gegenüber dem ungebrannten Material im „grünen“ Zustand. Eine hohe
Homogenität der keramischen Folie und eine präzise Temperaturführung bewirken
eine hohe Reproduzierbarkeit des mit dem Sintern einhergehenden
Schwindungsvorgangs. So können z.B. passgenaue Vertiefungen zur Aufnahme von
Halbleiterchips realisiert werden.
Bild 2: LTCC-Substrat mit
Vertiefung für einen Halbleiter-Chip
Bild 2 zeigt den Querschnitt durch ein LTCC-Substrat, das eine Vertiefung (Cavity)
zur Aufnahme eines Halbleiterchips hat. Der Vorteil der Vertiefung besteht vor
allem darin, dass die Bonddrahtverbindungen vom Chip zum Substrat in einer Ebene
und damit auf kürzestem Wege hergestellt werden können. Damit kann der Einfluß
parasitärer Induktivitäten auf die Signalintegrität, insbesondere bei hohen
Frequenzen, minimiert werden. Um Wärme vom Chip abzuleiten, können sogenannte
thermische Vias verwendet werden.
Eine Vergleich der dielektrischen Verluste einer organischen FR4 Leiterplatte im
Vergleich zu einem LTCC Substrat lässt erkennen, dass LTCC deutlich geringere
HF-Verluste haben als FR4. Ein weiterer Vorteil der LTCC-Keramik ist ihre kleine
Wärmeausdehnung, deren Wert näher an der Wärmeausdehnung von Si und GaAs liegt
als der von FR4 oder der von Hochtemperaturkeramiken (HTCC).
Anwendungen sind z.B. Einrichtungen zur drahtlosen Nachrichtenübertragung und
„intelligente“ Sensoren.
Vorteile der LTCC Technologie
• Eignung für Mehrlagenmodule bis zu 20 Schichten
• Feine Strukturen bis 60 μm Linienbreite und 60 μm Linienabstand
• Vergrabene Bauelemente (R, L, C) möglich
• Geringe Verluste bis 60 GHz
• Geringe mechanische Toleranz und hohe Reproduzierbarkeit
• Vertiefungen (Cavities) möglich
• Wärmeausdehnung ähnlich Halbleitermaterialien Si, GaAs
• Robust gegen Temperaturbeanspruchungen
• Kundenspezifische Lösungen bereits ab 5000 bis 10000 Stück
Ausblick
KOAs Herstellprozess erlaubt die Herstellung von Strukturen mit 60 μm
Linienbreite bei einem Abstand von ebenfalls 60 μm. Die Hauptziele für die
Weiterentwicklung der Technologie betreffen die weitere Miniaturisierung und die
Steigerung der Effizienz (besonders für kleinere Stückzahlen). KOAs
Forschungsschwerpunkt liegt daher auf der Verbesserung der Verfahren zur
Herstellung leitfähiger Strukturen auf dem Mehrlagen-Substrat.
Einen wesentlichen Schritt in die Richtung hoch effizienter Herstellung ist die
Anwendung der Tintenstrahl-technologie, um leitfähige Strukturen unmittelbar
nach den Angaben aus einer Datei auf die „Green Sheets“ zu drucken. Neben der
Zeiteinsparung lassen sich mit der Tintenstrahltechnologie zudem feinere
Strukturen
erzeugen als mit dem traditionellen Siebdruckverfahren. In einem gemeinsam mit
Seiko-Epson durchgeführten Forschungsvorhaben gelang es KOA, die Machbarkeit mit
einem speziellen Tintenstrahlgerät zu demonstrieren.
Die Forscher stellten Strukturen mit einer Linienbreite von nur mehr 30 μm in
einem Abstand von 30 μm her, indem sie eine „Tinte“ mit Silber-Nanopartikeln auf
ein konventionelles Keramik-Basismaterial auftrugen.
Verfeinerungen der Herstellverfahren für Leiterbahnen (z.B. Leiterbahnen in
Dünnfilmtechnologie) und Durchkontaktierungen (Mikro-Vias) werden zur weiteren
Miniaturisierung der Substrate führen. Die Anzahl der mit LTCC-Lösungen
erreichbaren Anwendungen wird in den nächsten Jahren stark ansteigen.
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